Werlau

Der Stadtteil St. Goar-Werlau, erstmals urkundlich im Jahre 992 nach Christi Geburt als „Werelawe” erwähnt, wird schon im 11. Jahrhundert als „Werle” benannt, so wie auch heute noch die Einwohner ihr Dorf in der Mundart bezeichnen.

Im Mittelalter im Besitz der Grafen von Katzenellenbogen, gelangte Werlau in die Erbschaft des Landgrafen von Hessen und wurde auf dessen Geheiß ab 1527 evangelisch.

Der Mittelpunkt des Dorfes, die St. Georg-Kirche, hat seinen Ursprung in einer Kapellenstiftung der Witwe des auf einem Kreuzzug verschollenen Ritters Brant von Boxberg, gewidmet dem Heiligen Georg, dem Schutzpatron der Kreuzritter. Ein gotischer Vierpass mit dem Bild des Heiligen ist als Schlussstein des Chorbogens in der im Jahre 1907 vollkommen neu errichteten Kirche eingelassen. In die Wand des Seitenschiffs wurden außerdem die Grabplatte der Lucardis von Milwalde, gestorben 1337 als Gemahlin des Vogts Brendelin von Werlau, sowie der Grabstein des Pfarrers Heinrich Ebenau (1697 bis 1723) eingefügt.

Eine wichtige Erwerbsquelle für viele Werlauer Bürger war über Jahrhunderte die zwischen Fellen und Hirzenach am Rhein gelegene Erzgrube „Gute Hoffnung” auf dem Prinzenstein, zu deren Erinnerung heute auf dem Zehnthofplatz eine voll beladene Grubenlore steht. Urkundlich schon 1562 erwähnt, mit in ihrer Blütezeit über 700 m tiefen Schächten und einer kilometerweiten Ausdehnung unter Tage links und rechts des Rheins, wurde sie nach dem 2. Weltkrieg unrentabel und 1961 geschlossen.

Noch Anfang unseres Jahrhunderts lebte die Dorfbevölkerung in bescheidenen Verhältnissen und versorgte sich weitgehend selbst durch ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse einschließlich des Weinbaus am Werlauer Hang im Gründelbachtal. Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Wein bis 1969 von der Werlauer Winzergenossenschaft hergestellt und vermarktet.

1923 ist der Ort ans Stromnetz angeschlossen, 1927 die Wasserleitung verlegt sowie ein Hochbehälter gebaut worden, der heute noch oberhalb des Sportplatzes besichtigt werden kann. 1967 hat Werlau eine Ortskanalisation erhalten und seit 1990 können sich private Haushalte an das Gasnetz anschließen lassen.

Im 1894 errichteten katholischen Schulgebäude finden zurzeit Gottesdienste statt. Die 1929 eingeweihte evangelische Schule ist heute Gemeindezentrum.

Seit 1956 steht auf dem Kirchplatz das Denkmal für die Gefallenen der Kriege, das durch einen Gedenkstein für die jüdischen Einwohner ergänzt wurde. 1967 wurde neben der Kirche ein evangelisches Gemeindehaus errichtet.

Im denkmalgeschützten „Dorfbackes“ – heute im Privatbesitz befindlich – wurde bis in die siebziger Jahre noch Brot gebacken. Ursprünglich besaß das Gebäude einen Gemeindesaal und Schulraum sowie eine Wohnung für den Dorflehrer.

Leider heute nicht mehr zu besichtigen ist die 1978 abgerissene Zehnthofanlage. Dieser Gebäudekomplex stammte aus dem 17. Jahrhundert und diente zur Lagerung der Abgaben der Bauern für die Grundherren. Noch in den fünfziger Jahren wurden die Stallungen für Zuchtstier und Geißbock der Gemeinde genutzt. An dieser Stelle befinden sich jetzt eine Bushaltestelle und das Feuerwehrgerätehaus. Ein Gedenkstein weist auf die 1000-Jahrfeier im Jahre 1992 hin, dazu erinnern eine Grubenlore, ein Pflug und eine Kelter an die ehemaligen Erwerbsquellen der Werlauer Bevölkerung.

An der Bushaltestelle hat der Männergesangverein 1886 Werlau e.V. zu seinem hundertjährigen Bestehen eine Sängerlinde gepflanzt. Neben dem Gesangverein steht seit 1912 der Turn- und Sportverein Werlau e.V. bis heute durch Organisieren der Heimatfeste (Zeltkirmes) und des Sportbetriebs mit Fußball-, Gymnastik-, Tennis- und Schachabteilung im Mittelpunkt der Dorfkultur. Die Freiwillige Feuerwehr, eine DLRG-Gruppe, die Möhnen und die Landfrauen, der Kaninchenzuchtverein, die Reiterfreunde Helenenhof Werlau und Umgebung sowie der Verein der Heimatfreunde mit einer Theatergruppe bieten der Bevölkerung von Werlau eine breite Grundlage für Geselligkeit und Freizeitgestaltung.

Heute ist Werlau, eingemeindet in die Stadt St. Goar und eingegliedert in die Verbandsgemeinde St. Goar-Oberwesel, ein aufstrebender Rheinhöhenort mit zwei Neubaugebieten und einem Gewerbegebiet und besitzt rund 900 Einwohner.

Für Erholungssuchende bietet sich das 1972 eingeweihte „Rheingoldbad” an sowie ein Wanderwegenetz mit einem besonders reizvollen Pfad ins Heimbachtal, auch „Werlauer Schweiz” genannt. Am Rheinhöhenrand leuchtet weit ins Tal der 1970 erneuerte „Werlauer Pilz”.

Klaus Brademann

Interessierten sei an dieser Stelle die Website der Heimatfreunde Werlau e. V. empfohlen.