Biebernheim

In der vorrömischen Zeit war das Gebiet um St. Goar von keltischen Treverern bewohnt, die sich mit den germanischen Stämmen der anderen Rheinseite vermischten. Die Flammensäule, ein bei Pfalzfeld aufgefundener keltischer Kultpfeiler und Grabfunde in unserer Gegend belegen dies. 58 v.Chr. eroberten die Römer unter dem Feldherrn Cäsar das linksrheinische Gebiet. In Biebernheim sind Siedlungsreste aus römischer Zeit an der Kreuzung Pfalzfelder Straße / Urbarer Straße belegt. Es handelt sich um Ziegel und Tonplatten, wie sie die Römer zum Bau von Heizungsanlagen verwandten.

Das Dorf wird erstmals 820 in einer Urkunde erwähnt, in der Ludwig der Fromme den „sechs Stunden umfassenden" Wald um Biebernheim, dem Kloster des Heiligen Goar zum Geschenk macht. Das Waldgebiet ist in seinen „nassen Grenzen" beschrieben, also unter Aufzählung der Grenzbäche, es dehnt sich aus bis zu den heutigen Hunsrückdörfern Kisselbach und Bubach. Als einziges Dorf ist Biebernheim genannt. Seine Einwohner sind namentlich bezeichnet. Diese dreizehn Familien höriger Bauern werden ebenfalls der Abtei Prüm unterstellt.

Die Scheibweise des Ortsnamens wechselt im Lauf der Jahrhunderte: Bibersheim (820), Biverheim (1222), Beberheim (1222), Biebernheim (1544), Biebernheym (1551), Bieberum (1750), diese Bezeichnung ist noch heute im Dialekt gebräuchlich.

Die Geschichte des Dorfes ist mit der, der Stadt St. Goar und der Burg Rheinfels eng verknüpft. Das Dorf, im Vorfeld der Burg Rheinfels gelegen hat oft unter Kriegshandlungen gelitten, besonders bei den erfolglosen Belagerungen der Jahre 1626, 1688 und 1692. Im Dezember des Jahres 1692 griff ein großes französisches Heer die Rheinfels an. Die Biebernheimer Bürger flohen aus dem Aufmarschgebiet über den Rhein, dabei konnten sie nur retten, was sie mitnehmen konnten. Am 2. Januar 1693 hatten die Belagerer ein Drittel ihres Heeres verloren und mussten den Rückzug antreten. Zuvor brandschatzten sie das Dorf, auch die Kirche brannte bis auf die Grundmauern nieder. Die zurückkehrenden Flüchtlinge fanden nur noch rauchende Trümmer.

1794 nahmen die Franzosen die Feste Rheinfels kampflos ein. St. Goar und Biebernheim gehörten in der Französischen Zeit zum Arrondissement Simmern. 1815 kam das Gebiet unter preußische Verwaltung. 1811 bekam Biebernheim eine evangelische Schule, das heutige Schulgebäude wurde 1878 errichtet und bis 1972 von beiden Konfessionen genutzt. Die Bevölkerungszahlen stiegen stetig von ursprünglich 292 Einwohnern im Jahr 1817 auf 1100 Einwohner im Jahr 2002.

Die evangelische Dorfkirche zählt zweifellos zu den Sehenswürdigkeiten im Weltkulturerbe Mittelrhein. Nach dem Brand von 1693 wurde sie auf den Grundmauern der alten Kirche wieder aufgebaut. An ein kurzes quadratisches Schiff schließt östlich ein um Mauerbreite einspringender im Kern vielleicht noch gotischer Chor mit schrägen Seitenwänden an. Ein zweiter Anbau auf der Westseite ist jüngeren Datums. Aus dem mehrfach gebrochenen Dach des Langhauses entwickelt sich ein quadratischer verschieferter Dachreiter, der in einem achteckigen Turm ausläuft und zurecht als Meisterwerk des Zimmerer- und Dachdeckerhandwerks gilt. Kanzel, Kirchenbänke und Emporenbrüstung stammen noch aus der Erbauungszeit und bestimmen wesentlich den Flair einer fast unverändert erhaltenen barocken Dorfkirche, die zu den eigenwilligsten und phantasievollsten am Mittelrhein gehört.

1956 wurde die katholische Kapelle „Maria Regina Coeli" an der Pfalzfelderstraße eingeweiht.

Die Höhengemeinde Biebernheim hat sich mit der örtlichen Gastronomie im Hotel und Landgasthof „Zum Rebstock" einen überregional guten Ruf erworben. In mitten eines reizvollen Wandergebietes gelegen, kann man von dort aus entlang der Rheinhöhe oder durch die zahlreichen Seitentäler des Seelenbach-, Gründelbach- oder Vergißmeinnichttales zu reizvollen naturkundlichen Exkursionen aufbrechen.

Doris Spormann