Jahresausflug des Weinkonvents zu den Wurzeln des Präsidenten (Foto: Reinhard Franz)

Jahresausflug des Weinkonvents zu den Wurzeln des Präsidenten (Foto: Reinhard Franz)

Jahresausflug des Weinkonvents zu den Wurzeln des Präsidenten

Am frühen Samstagmorgen brachen die Weinbrüder und Weinschwestern des Weinkonvents zum Heiligen Goar auf, um von Niederheimbach mit der Fähre und ihrem Präsidenten Karl Josef Perscheid dessen alte Heimat, den Rheingauer Weinort Lorch, zu besuchen. Nach ausgiebiger Fahrt um das Nordkap der „Toteninsel“, deren Namen der Volksmund geprägt hatte, weil sie nach dem ersten Weltkrieg als Standort für das Reichsehrenmal in der engeren Wahl war, erreichte man den hessischen Außenposten.

In der gemütlichen Schenke seines Weingutes hieß Gundolf Laquai willkommen mit einem Blanc de Noir vom Lorcher Kapellenberg, der die Geschmacksknospen frisch weckte und Vorfreude auf das Kommende bereitete. Begeisterung verbreiteten zwei Rieslinge, ein trockener vom Schiefer und ein feinherber vom Quarzit, bevor, unterbrochen durch einen Weißburgunder, ein trockener Spätburgunder vom Lorcher Bodental-Steinberg den Schlusspunkt einer sehr beeindruckenden Weinprobe setzte. Bereits hier wurde klar: Die Lorcher Rieslinge wurzeln tief in den Hängen des Mittelrheins und stellen unter den Rheingauer Weinen eine charakterliche Besonderheit dar.

Da es aber galt, auch die Wurzeln des Präsidenten zu erkunden, ging es weiter ins Wispertal hinaus zur alten Lorcher Schule, deren Bank er einst gedrückt hatte und in der heute auf pfiffige Art ein gutgehendes Hotel eingerichtet ist. Zurück am Rhein grüßte das VDP Weingut Graf von Kanitz im ehemaligen Zehnthof mit einem Riesling Sekt Brut und seinen hervorragenden Riesling Gutsweinen, den Ersten Lagen von der Pfaffenwies und dem Bodental bis hin zum Großen Gewächs aus dem Kapellenberg. Für Freunde des etwas anderen Geschmacks gab es auch einen trockenen Gewürztraminer zu kosten. Erstklassig war als Mittagsimbiss das „Lorcher Horsd’oeuvre“ aus dem benachbarten Hilchen-Keller mit Rheingauer Spezialitäten.

Nun gelüstete es die Weinfamilie nach geistiger Nahrung. Nach wenigen Schritten wartete Josef Herrmann, um mit Herzblut und Souveränität die prächtige und mit großen Kunstwerken ausgestattete Sankt Martins Kirche zu zeigen. Der großartige Schnitzaltar von 1483, ein Kunstwerk europäischen Ranges, wurde im Detail in Augenschein genommen. Freude machte auch die Orgel, die nicht nur bekannt dafür ist, dass gute Musiker mit ihr großen Genuss verbreiten können, sondern auch dem Musiker mit ihrem „Riesling Register“ Genuss bescheren kann, wenn er das richtige Register zieht und eine Klappe unter Vogelgezwitscher Riesling und Gläser freigibt.

Trotz Kaffeepause blieb noch Zeit für einen Blick auf das Hilchen-Haus, errichtet vom kaiserlichen Heerführer Johann von Hilchen. Die wechselvolle Geschichte dieses bedeutendsten Renaissancebaues am Mittelrhein und wie er mit Mitteln aus dem Welterbe-Fond gerettet werden konnte, wusste Josef Herrmann begleitet vom sonoren Geläut der Martinskirche spannend zu erzählen. Doch der Kellermeister des Weingutes Altenkirch wartete schon auf seiner Terrasse mit einem köstlichen Rieslingsekt vom Grauschiefer. Die große und dabei vorsichtig dosierte Weinprobe im gemütlichen Gastraum mit Weißburgunder, vor allem aber kräftigen und aromatischen Rieslingen vom Grau- und Quarzschiefer aus den Lagen Lorcher Schlossberg und Lorcher Krone, wurde abgerundet durch einen Spätburgunder vom Rotschiefer und gab gute Anregungen für die Getränkeauswahl zum abschließenden Abendessen.

Da der nette Fährmann sich zu einer Sonderfahrt bereit erklärt hatte, blieb Zeit, das Erlebte bei guten Tischgesprächen Revue passieren lassen, bevor man sich notgedrungen, aber gut gelaunt auf den Heimweg machte und Lorch den Rücken kehrte. Allgemeines Resümee war, dass man durch den Rheinübertritt viel bisher Unbekanntes gesehen und Neues gelernt hatte und dass Lorch charakterlich und vinifikatorisch zumindest insgeheim dem Mittelrhein zuzurechnen sei.